Vorhofflimmern ist weltweit die häufigste Herzrhythmusstörung. Ein Grund zur Schonung ist es aber nicht. Regelmäßiger Sport bei Vorhofflimmern reduziert laut einer neuen Studie sogar die Häufigkeit und Intensität des Vorhofflimmerns. „Sport wirkt hier als Therapie“, betont Sportkardiologe Manfred Wonisch.

250.000 Menschen in Österreich sind laut Schätzung von der Diagnose Vorhofflimmern betroffen. Zudem steigt das Risiko mit dem Alter an. Zu einer besseren Lebensqualität für diese Patientinnen und Patienten kann Sport einen wichtigen Beitrag leisten. Das haben die ersten Ergebnisse einer neuen Studie gezeigt. „Sportliche Betätigung nach ärztlichen Vorgaben trägt bei Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz zur Therapie bei. Das wissen wir. Für Menschen mit Vorhofflimmern wurde das bisher noch kaum wissenschaftlich untersucht“, sagt Sportkardiologe Manfred Wonisch. An der University of Adelaide in Australien hat man nun aber eine ACTIVE-AF-Studie zu diesem Thema durchgeführt:

  • Bis zu 3,5 Stunden aerobes Training pro Woche reduzieren die Häufigkeit und Intensität von Vorhofflimmern, wurde beim ESC-Kongress 2021 aus der Studie berichtet. „Eine größere Gruppe von Patienten in der Sportgruppe hatte Sinusrhythmus, weniger Herzstolpern, Atemnot und Müdigkeit. Das macht die positive Wirkung von regelmäßigem Sport und den Gewinn an Lebensqualität für die Patienten deutlich“, freut sich Wonisch über die ersten veröffentlichten Ergebnisse.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist weltweit die häufigste Herzrhythmusstörung bei der die Vorhöfe des Herzens von einer elektrischen Störung betroffen sind. Diese setzt den Sinusknoten außer Betrieb und führt dazu, dass sich die Vorkammern nicht mehr richtig zusammenziehen. Folglich wird der Puls unregelmäßig und steigt bei Belastung ungewöhnlich hoch an. „Während manche Betroffene kaum Beschwerden spüren, leiden andere unter Herzstolpern, Unruhe oder Atemnot“, sagt der Experte über die Symptome von Vorhofflimmern. Zusätzlich kann es Blutgerinnsel entstehen lassen und damit zu einem Schlaganfall führen.

Sport bei Vorhofflimmern

Gerade bei Erkrankungen wie Bluthochdruck ist es ein häufiges – und leider falsches – Vorurteil, dass man sich schonen und Belastungen vermeiden soll. Dazu Wonisch: „Bewegung wirkt sich sogar positiv aus. Um Sport aber tatsächlich als Medizin nutzen zu können, ist die Konzipierung eines Bewegungsprogramms gemeinsam mit einem Experten empfehlenswert, da über eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik die individuellen Voraussetzungen geklärt werden sollten.“ Ebenso sollte für dauerhaften Erfolg auf die jeweiligen Vorlieben in Sachen Bewegung und die verfügbaren Zeitressourcen eingegangen werden. Das ist wie die sportmedizinische Leistungsdiagnostik die Basis für den individuellen Trainingsplan. Demzufolge gilt: Nur Mut zum Sport! Und: Jeder Schritt zählt.

Leistungsdiagnostik für den individuellen Trainingsplan

Gerade bei einer bestehenden Herzerkrankung ist Bewegung ein wesentlicher Bestandteil, um gesünder zu werden. Schließlich wirkt sich regelmäßige Bewegung nämlich in mehrfacher Hinsicht positiv aus:

  • „Die Cholesterin-Werte können sich ebenso verbessern und der Blutzucker-Spiegel sinkt. Bei einer körperlichen Aktivität werden nämlich die Muskeln aktiviert, die für ihre Arbeit Glukose benötigen. Diese Glukose wird aus dem Blut in die Zelle geschleust.“ Demnach reduziert man mit einem gesunden Cholesterin- und Blutzuckerspiegel sein Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfall.

Belastungs-EKG bei Vorhofflimmern

Am Beginn eines sportlichen Trainings für Menschen, die an Vorhofflimmern leiden, sollte auf jeden Fall eine Untersuchung mit einem Belastungs-EKG unter ärztlicher Aufsicht stehen, weiß Sportkardiologe Manfred Wonisch. „Das ist eine wichtige Voraussetzung und so kann man individuelle Sicherheitszonen definieren. Eine gute ärztliche Abklärung nimmt die Unsicherheit, ob und wie man sporteln darf. Optimalerweise werden daraus die Trainingsempfehlungen abgeleitet.“

Nähere Infos zu Doz. DDr. Manfred Wonisch, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin und SPORT-med-GRAZ – Zentrum für sportmedizinische Leistungsdiagnostik und sportwissenschaftliche Trainingsberatung:

www.derkardiologe.at
www.sport-med-graz.at