Jahr für Jahr gewinnt Crossfit an Beliebtheit, die Zahl der „Crossfit-Boxen“ steigt. Auch aus Sicht der Sportmedizin sind die positiven Aspekte der Trendsportart mittlerweile bestätigt. Das Training in der Gruppe wirkt motivierend, kann aber auch zu übertriebenem Ehrgeiz führen, betont Sportkardiologe Doz. DDr. Manfred Wonisch von SPORT-med-GRAZ. Eine sportmedizinische Untersuchung vor dem Trainingsbeginn sorgt für Sicherheit. Vor allem für Menschen, die bisher kaum sportlich aktiv waren oder ins Training nach einer längeren Pause „wiedereinsteigen“.

Crossfit ist eine Trendsportart, bei der funktionell trainiert und alle Muskelgruppen des Körpers beansprucht werden. Trainiert wird als Gruppe in speziellen „Crossfit-Boxen“, das sind zertifizierte Sportstätten mit speziellen Stationen und Geräten. „Crossfit ist eine Mischung aus Kraft-, Eigengewichts- und Ausdauertraining. Meist dauert eine Crossfit-Einheit eine Stunde und besteht aus Warm-up, einem kraftvollen und intensiven Workout of the day, kurz WOD, und einem Stretching am Ende. Die abwechslungsreichen WOD‘s gewährleisten laufend neue Reize, was das Training besonders effizient macht. Auch wirkt sich die Mischung zwischen aeroben und anaeroben Sequenzen positiv aus”, weiß Sportkardiologe Doz. DDr. Manfred Wonisch, F.A.C.S.M. von SPORT-med-GRAZ. “Das Training in der Gruppe und auch die spezielle Wettkampf-Atmosphäre in den Boxen ist für viele Menschen ein zusätzlicher Motivationsfaktor.“

Ursprünglich kommt Crossfit aus den USA, die gleichnamige Marke wurde 1980 von Greg und Lauren Glassmann 1980 zum Schutz angemeldet. Zu Beginn stand die Sportart wegen des intensiven Trainings bzw. dem damit verbundenem hohen Verletzungsrisiko in Kritik. Mittlerweile ist allerdings aus Sicht der Sportmedizin allerdings bestätigt, dass Crossfit bei verantwortungsvoller Durchführung keine schädlichen Auswirkungen hat. Die Verletzungsraten sind nicht höher als bei anderen Sportarten.

Leistungsdiagnostik bzw. sportmedizinische Untersuchung als Basis für Crossfit

Grundsätzlich ist Crossfit für alle Menschen – unabhängig von Alter und Fitnesslevel – empfehlenswert. „Es macht aber einen großen Unterschied, ob man auf einen muskulöseren Körperbau abzielt oder ob man als Person mit Vorerkrankungen wie Diabetes seine Gesundheit verbessern möchte. Die Sportart ist prinzipiell für beide Ziele geeignet, allerdings braucht es ein jeweils individuell abgestimmtes Trainingsprogramm, für das eine sportmedizinische Untersuchung bzw. eine Leistungsdiagnostik die Basis bilden sollte”, betont Wonisch.

Eine in der Zeitschrift für Sportmedizin publizierte Studie zeigt, dass Crossfit bei Diabetikern zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führte. Der Anteil von Körper- und abdominalem Fett konnte verringert werden, die Muskelmasse blieb allerdings erhalten. Die Insulin-Sensitivität und die Funktion der β-Zellen verbesserte sich. „Crossfit beugt auch dem alterungsbedingten Abbau der Skelettmuskulatur vor“, verweist Wonisch auf eine im Journal of the American Medical Directors Association veröffentlichte Studie. Frauen nach der Menopause, die hochintensives, fortschreitendes Krafttraining praktizieren, weisen eine Erhöhung der Knochendichte auf. Dies konnte durch eine Untersuchung von Watson, Weeks, Weis, Horan und Beck gezeigt werden.

Regenerationszeiten nicht vergessen

Das Training in der Gruppe hat zwar grundsätzlich eine motivierende Wirkung, kann sich aber auch negativ auswirken, wenn falscher Ehrgeiz ins Spiel kommt. Dazu Wonisch: „Wichtig für die Erreichung der individuellen Trainingsziele sind auch die Regenerationszeiten. Sind diese zwischen den Crossfit-Einheiten zu kurz, kann der entstehende Stress nicht ausreichend abgebaut werden, was langfristig dem Körper mehr schadet als nutzt.“ Wonisch erläutert in diesem Zusammenhang die SRA-Kurve von Reiz, Regeneration und Adaptation. „Um an Muskulatur aufzubauen, muss die Trainingsintensität zwar immer wieder steigen, aber auch nicht zu schnell, sonst ist das kontraproduktiv. Wenn man vor dem Start des Crossfit-Trainings eine Leistungsdiagnostik absolviert, sich einen Trainingsplan individuell von einem Sportwissenschafter erstellen und auch zwischendurch Re-Checks durchführen lässt, ist man aber auf der sicheren Seite.“