Kürzlich erregte der Fall des dänischen Fußballspielers Christian Eriksen Aufsehen, der in Folge eines Zusammenbruchs einen Defibrillator eingesetzt bekommen hat. Nun droht ihm der Abschied von Inter-Mailand, weil in Italien Kontaktsport mit Defibrillatoren verboten ist. Ist Sport für Träger von Defibrillatoren wirklich (zu) riskant? Und was sollte man als Träger eines Herzschrittmachers beachten?

Dazu Manfred Wonisch, Sportkardiologe bei SPORT-med-GRAZ: „Beim Kontaktsport besteht das Risiko, dass Defibrillatoren oder Herzschrittmacher durch einen Schlag auf den Brustbereich beeinträchtigt werden könnte. Und ein durch den Sport bedingter zu hoher Puls kann bei Defibrillatoren dazu führen, dass sie fälschlicherweise einen Stromstoß abgeben. Dieses Risiko lässt sich durch die richtige Einstellung aber auf ein sehr geringes Niveau reduzieren“, so Wonisch.

„Keineswegs sollte man das als ‚Ausrede‘ für einen Verzicht auf Sport nehmen“, betont der Experte. Er verweist auf aktuelle Empfehlungen der European Association of Preventive Cardiology und der European Heart Rhythm Association, die dies bestätigen. „Erst kürzlich wurde publiziert, dass gerade auch für Defibrillator-Träger die mentalen und physischen Vorteile von Sport nachgewiesen sind.“

Im Fachmagazin Circulation wurden Ergebnisse einer Auswertung der Daten von 440 Sportlern mit Defibrillatoren (393 organisierte Leistungssportler, 47 Athleten mit Hochrisiko-Sportarten) veröffentlicht. Und es liegen auch Ergebnisse von 80 Freizeitsportlern, veröffentlicht im European Journal of Preventive Cardiology, vor. Hier zeigt sich klar: In der medianen Nachbeobachtungszeit von 44 Monaten traten KEINE reanimationspflichtigen SCD-Fälle (sudden cardiac death) auf. Außerdem gab es keine signifikanten Schäden im Zusammenhang mit Arrhythmien oder einem Defibrillator-Schock und auch keine Generator-Fehlfunktionen. Die Haltbarkeit der Elektroden lag nach 5 Jahren bei 94% und nach 10 Jahren bei 85%.

Sport mit Defibrillator: 4 „Ds“ beachten!

„Ein gezieltes Bewegungsprogramm wirkt sich auf die Herzgesundheit sehr positiv aus. Wichtig ist aber, dass der Trainingsplan sportwissenschaftlich fundiert ist und auch eine Begleitung durch einen Sportkardiologen erfolgt. So geht man auf Nummer sicher“, so Wonisch. „Auch auf die richtige Einstellung des Defibrillators ist zu achten, damit beim Sport nicht fälschlicherweise ein Stromschlag abgegeben wird.“ Der Sportkardiologe verweist beim Thema Sport mit Defibrillator auf die von Fachexperten definierten 4 „Ds“. Diese sind Danger, Disease, Device und Dysrhythmias (Gefahr, Krankheit, Gerät und Herzrhythmusstörungen).

  • Danger: Die Sicherheit sollte im Vordergrund stehen, riskante Sportarten wie Tauchen und Motorsport daher eher vermieden werden. „Auch EMS-Training ist aufgrund der Strom-Abgabe der EMS-Geräte mit einer möglichen Beeinflussung der Elektronik des Defibrillators nicht zu empfehlen“, so Wonisch.
  • Disease: Immer krankheitsspezifische Überlegungen berücksichtigen und das Bewegungsprogramm am besten gemeinsam mit einem Sportkardiologen konzipieren.
  • Device: In der Programmierung und beim Gerätetyp sollte auf jeden Fall auf das Sportprogramm eingegangen werden.
  • Dysrhythmias: Auch der Gesundheitszustand (etwa in Bezug auf atriale als auch ventrikuläre Rhythmusstörungen) sollte im Auge behalten werden. Bzw. sind regelmäßige kardiologische Untersuchungen wichtig.

Auch für Träger von Herzschrittmachern: Sport als Medizin nutzen

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem Defibrillator und einem Herzschrittmacher? Dazu Wonisch: „Herzschrittmacher werden eingesetzt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder Pausen macht. Der Defibrillator ist eigentlich das Gegenteil: Er gibt Stromstöße ab, wenn das Herz nicht oder zu schnell schlägt. Durch Stromstöße wird der natürliche Herzrhythmus wiederhergestellt.“
„Ein Herzschrittmacher wird tendenziell eher von älteren Menschen benötigt. Der Grund: Der natürliche Herzschlag verlangsamt sich mit dem Alter. Ein Defibrillator kann aber genauso auch von einem jüngeren Menschen benötigt werden, etwa bei Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen nach einer Herzmuskelentzündung oder auch bei angeborenen Herzerkrankungen“, so Wonisch.
„Auch für Träger von Herzschrittmachern ist Bewegung eine sehr wirksame Medizin. Allerdings spielt die richtige Einstellung des Herzschrittmachers und die sportkardiologische Begleitung auch hier eine entscheidende Rolle.“