Zum Thema Sport nach Corona hat das Magazin gesund & fit ein Interview mit Doz. DDr. Manfred Wonisch von SPORT-med-GRAZ geführt. Der Artikel dazu wurde in der Ausgabe vom 14. Juli 2021 veröffentlicht (hier zum Download).

Der Experte beantwortet die wichtigsten Fragen:

Was macht Corona mit unserem Körper? Wie hinterlässt der Virus unseren Körper?

Bei schweren Fällen von Covid-19 handelt es sich um eine Art generalisierte Entzündungsreaktion, die verschiedene Organe betreffen kann, neben der Lunge u. a. auch das Herz. Kürzlich bestätigte dies eine Untersuchung von amerikanischen College-Athleten, die zwar mit Covid-19 infiziert waren, aber keine oder nur moderate Symptome hatten. Ein MR am Herzen zeigte bei 56 Prozent der jungen Athleten Veränderungen am Herzbeutel. Auch Herzmuskelentzündungen und Herzbeutelergüsse werden beobachtet. Allerdings: Das heißt natürlich nicht, dass in jedem Fall dauerhafte Schäden am Herzen zurückbleiben.

 

Ob und wie kann sich eine Herzmuskelentzündung äußern?

Mögliche Anzeichen für eine Herzmuskelentzündung können zunehmende Erschöpfung, Atemwegsbeschwerden bei Anstrengungen oder Müdigkeit sein. In einzelnen Fällen kann es zu Kopf- oder Gliederschmerzen kommen oder man spürt Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Die Symptome sind aber nicht immer eindeutig, weshalb man im Zweifelsfall immer gleich zum Arzt sollte.

 

Was sind die Risiken von Covid-19 konkret bezogen auf Herz-Kreislauf?

Bei schweren Fällen kann die Blutgerinnung gestört sein, das kennt man auch bei anderen schwer intensivpflichtigen Krankheiten. Bei Covid-19 ist daher die Gefahr einer Thrombose u./o. Lungenembolie noch größer, weshalb bei stationären Aufenthalten frühzeitig mit einer Blutverdünnung durch Heparinspritzen vorgebeugt wird.

 

Sport nach Corona: Ab wann darf ich nach einer Erkrankung wieder in den Sport einsteigen?

Hier gibt es klare Empfehlungen der kardiologischen und sportmedizinischen Fachgesellschaften: Bei positiv Getesteten ohne wesentlichen Symptomen sollten für 2 Wochen keine intensiven Belastungen durchgeführt werden. Symptomatische Verläufe ohne Lungenbeteiligung sollten frühestens 2 bis 4 Wochen nach Symptomfreiheit mit sportlichen Belastungen starten, mit Lungenbeteiligung (Lungenentzündung) nach frühestens 4 Wochen. Patienten, die eine Herzmuskelentzündung erlitten haben, dürfen frühestens nach 3 Monaten, eher nach 6 Monaten, wieder mit Sport beginnen.

 

Woran merke ich, dass ich mich wieder sportlich betätigen kann bzw. lieber noch pausieren soll?

Bei Beschwerdefreiheit kann man nach 2 Wochen wieder starten, ansonsten sollte man sich ärztlich abklären lassen.

 

Wie lange soll ich mir Zeit zur Regeneration geben und ab wann ist die Befürchtung von Long-Covid-Symptomen berechtigt?

Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) definiert COVID-19 wie folgt:

  • akutes COVID-19 mit Symptomen in den ersten 4 Wochen nach Infektion mit SARS-CoV-2,
  • neue oder anhaltende Symptome 4 Wochen oder länger nach Beginn des akuten Covid-19, unterteilt in:
    o anhaltendes symptomatisches Covid-19 für Beschwerden von 4 bis 12 Wochen nach Beginn und
    o Post-Covid-19-Syndrom für Effekte, die 12 oder mehr Wochen nach Beginn bestehen bleiben.

Wer kann mich beim Thema Sport nach Corona unterstützen, wenn ich mir unsicher bin?

Am besten lässt man sich ärztlich untersuchen, je nach Symptomatik am ehesten von einem Lungenfacharzt oder Kardiologen – optimalerweise jemand, der sich in der Sportmedizin auskennt.

 

Was kann ein Mediziner tun? Welche Checks können durchgeführt werden?

Zur genaueren Abklärung und Entscheidung eines (neuerlichen) Sportbeginns werden Blutbestimmungen und EKG notwendig, üblicherweise auch ein Ultraschall des Herzens und Lungenfunktion. Darüber hinaus sollte ein Kardiologe entscheiden, ob weitere Untersuchungen wie Belastungs-EKG oder eine Magnetresonanz des Herzens notwendig sind. Auch eine lungenfachärztliche Abklärung ist oft sinnvoll.

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Wann ist eine Reha sinnvoll?

Eine Reha ist vor allem nach einer Covid-19-Erkrankung mit stationärem Aufenthalt (auch auf Intensivstation) und ausgeprägten Restbeschwerden sinnvoll. Ebenso bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes und der Leistungsfähigkeit sowie zur allgemeinen Regeneration und Optimierung von entgleisten medikamentösen und therapeutischen Einstellungen von pulmologischen oder kardiologischen Zusatzerkrankungen.

 

Welche Tipps haben Sie darüber hinaus für Sport nach Corona? Wie sollte man sein Sportprogramm nach einer Infektion gestalten?

Da jede Covid-19-Infektion individuell verläuft, ist es vor Wiederaufnahme des Sportprogramms empfehlenswert, sich von einem Sportmediziner untersuchen zu lassen. Gerade in Hinblick auf Long-Covid überaus wichtig: Chronische Erschöpfung lässt sich nicht wegtrainieren, das ist sogar kontraproduktiv. Hier ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.

Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Wiederaufnahme eines Bewegungsprogramms, sollte sich dies an den jeweiligen Trainingszielen und den vorhandenen Zeitressourcen orientieren. Es macht einen großen Unterschied, ob man als Ziel hat, seine Cholesterin- und Blutzucker-Werte zu verbessern und an Gewicht zu verlieren oder ob man sich auf einen Marathon vorbereiten möchte. Eines gilt aber für alle Fälle: Dauerhaft motiviert bleibt man nur bei einem Bewegungsprogramm, das gut zu einem passt. Das kann für den einen eine Kombination aus Lauf- und Zirkeltraining sein, für andere wiederrum passt Radfahren, Schwimmen oder Tanzen in der Gruppe deutlich besser. Es macht auf jeden Fall Sinn, unterschiedliche Sport- und Trainingsarten auszuprobieren, bis man die individuell richtige gefunden hat. Wenn man erst kürzlich eine Infektion überstanden hat, ist eine sportwissenschaftliche Trainingsbegleitung sehr empfehlenswert, um Übertraining zu vermeiden. Auch helfen laufende Re-Tests und Fortschritts-Monitoring dabei, seine Ziele nicht außer Augen zu verlieren.