Wer sich regelmäßig bewegt, erkrankt seltener an Covid-19, wie mittlerweile auch Studien bestätigen. Weitere Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes lassen sich durch Bewegung ebenso deutlich reduzieren. Und ganz wichtig: Auch gegen Depressionen, von denen momentan immer mehr Menschen betroffen sind, ist Sport in Corona-Zeiten ein wirksames Mittel. Allerdings: Es braucht das individuell richtige Maß an Bewegung. Was man dabei beachten sollte und warum sich Bewegung gerade jetzt lohnt, erläutert Doz. DDr. Manfred Wonisch, Sportkardiologe bei SPORT-med-GRAZ.

Grund 1: Stärkeres Immunsystem

Eine Studie mit fast 50.000 Teilnehmern aus den USA zeigt ein sehr deutliches Ergebnis. Kein Sport in Corona-Zeiten, also weniger als 10 Minuten Bewegung pro Tag, ist der stärkste Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf. „Nicht nur das Infektions-, auch das Sterberisiko ist bei Nicht-Sportlern deutlich höher als bei jenen, die mindestens 150 Minuten pro Woche Ausdauertraining absolvieren, wie es die WHO empfiehlt“, zitiert Doz. DDr. Manfred Wonisch, Sportkardiologe bei SPORT-med-GRAZ, die im British Journal of Medicine veröffentlichte Studie. „Wer sich mindestens 3 Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten bewegt, stärkt sein Immunsystem damit nachhaltig und ist auch widerstandsfähiger gegenüber Viren. Selbst bei einer Ansteckung ist der Verlauf milder, weil das Immunsystem stärker ist.“

Sport in Corona-Zeiten: Nicht übertreiben!

„Zu beachten ist hier aber auch, dass falsches oder zu intensives Training kontraproduktiv ist, da das Immunsystem dadurch geschwächt wird.“ Wonisch verweist auf die hohe Relevanz eines Bewegungsprogramms, das individuell auf den einzelnen Menschen abgestimmt ist. „Wer bereits an Vorerkrankungen leidet, für den ist natürlich ein ganz anderes Maß bzw. eine andere Intensität an Bewegung erforderlich, als für jemanden, der sich auf einen Marathon vorbereiten möchte.“

 

Grund 2: Geringeres Depressionsrisiko

Verfünffacht (!) hat sich die Häufigkeit von depressiven Erscheinungen in Österreich durch die Covid-19-Pandemie, so das Ergebnis einer Umfrage der Donau-Universität Krems (von 5 auf 25 Prozent der Befragten). Umso wichtiger daher, auf Sport zu setzen, betont Wonisch.

Zahlreiche Studien bestätigen die positive Wirkung von Sport auf die Psyche. Eine im American Journal of Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt etwa, dass schon eine Stunde Sport pro Woche eine präventive Wirkung hat. Wer hingegen keinen Sport betreibt, hat ein um 44 Prozent höheres Risiko, um an Depressionen zu erkranken. “

„Bewegung verbessert die Stimmung, vermindert Angstgefühle und erhöht die Konzentration des ‚Brain-derived Neurotrophic Factor‘, der bei Depressiven verringert ist. Auch kann Sport dabei helfen, die Aktivität im präfrontalen Kortex zu senken, der bei Depressionen an negativen Emotionen und Grübeln beteiligt ist.“

Auch hier aber wichtig: „Ein zu hoher Leistungsdruck bzw. Übertraining wirkt kontraproduktiv und kann Depressionen sogar verstärken“, betont Wonisch.

 

Grund 3 für Sport in Corona-Zeiten: Wirksames Mittel zur Gewichtsstabilisierung

Laut einer Umfrage zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Corona-Krise haben 22 Prozent der Befragten während des Lockdowns zugenommen.

Durch Bewegung lässt sich Übergewicht langfristig reduzieren bzw. ein gesundes Gewicht halten. Damit reduziert man einen zentralen Risikofaktor für Covid-19: das Übergewicht, betont Wonisch. „Man weiß mittlerweile, dass mehr als 70 Prozent aller Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, adipös sind. Auch müssen adipöse Patienten häufiger beatmet werden als normalgewichtige Patienten.“

Wichtig ist auch zu wissen, dass beim Sport in Corona-Zeiten jeder Schritt zählt: „Schon eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent hat deutliche positive Effekte bei Übergewicht. Nicht nur das Covid-19-Risiko, auch jenes für Typ2 Diabetes, Gallenblasenerkrankungen, bestimmte Krebsarten, Gelenksabnutzungen, obstruktives Schlafapnoesyndrom, Fettstoffwechselstörungen sowie Herz-Kreislauferkrankungen sinkt.

 

Grund 4: Geringeres Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein weiterer Risikofaktor für Covid-19 sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Auch hier zeigt sich deutlich die positive Wirkung von Sport in Corona-Zeiten. Wonisch erzählt von einem Beispiel aus seiner Praxis: „Ich hatte erst kürzlich einen Patienten, der sich ein Jahr lang deutlich weniger bewegt, deutlich zugenommen und dann Diabetes entwickelt hat. Das kann sehr schnell gehen“, warnt Wonisch. „Das Positive ist aber, dass man auch sehr schnell etwas verändern kann, wenn man wieder mehr Bewegung in den Alltag bringt und auf gesündere Ernährung achtet. Der betroffene Patient ist seinen Diabetes dadurch innerhalb von wenigen Monaten wieder losgeworden.“

„Gerade bei Vorerkrankungen wichtig ist jedoch eine sportmedizinische Begleitung und ein individuell angepasster Trainingsplan, um Bewegung auch wirklich als Medizin nutzen zu können.“

 

Grund 5: Geringes Ansteckungsrisiko bei Sport in Corona-Zeiten im Freien

Wer Sport im Freien betreibt und die Abstandsregeln einhält, ist dabei einem sehr geringen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Nur 1 Prozent aller Covid-19-Infektionen passieren im Freien, zeigen aktuelle Studien. Egal ob Laufen, Radfahren, Wandern oder andere Outdoor-Sportarten – wichtig ist, das individuell richtige Bewegungsprogramm zu finden. Wonisch empfiehlt: „Auch Krafttraining kann man problemlos ins Freie verlagern. In immer mehr Parks werden Geräte dazu angeboten und Eigengewichtstraining lässt sich ohnehin fast überall umsetzen.“